Exklusive Führung für 78er im Museum August Kestner

4. Okt. 2026 | Clubleben

Am 30. September 2026 hatten 20 Mitglieder von Hannover 78 an der exklusiven und kostenfreien Sonderführung im Museum August Kestner teilgenommen. Von Rugby bei 78 über Sport im Altertum bis hin zur Mode und Macht im antiken Rom waren die Themen in dem zweistündigen Programm. Das Museum August Kestner ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie sich moderne Museen von staubigen Vitrinen-Sammlungen zu interaktiven Erlebnisräumen und lebendigen Treffpunkten gewandelt haben.

Zum Auftakt, bei kostenlosen Getränken, wurde ein gemeinsamer Blick auf die Ausstellungsvitrinen im SammleR*s geworfen. Unter anderem stand dabei die Präsentation zum Thema „Rugby – Hannover 78“ im Mittelpunkt, deren Inhalte vom Sammler und 78er Bert Oltersdorf zur Verfügung gestellt wurden. Die Ausstellungsstücke umfassten zum einen historische Gegenstände wie alte Rugbylederbälle, Spielkleidung, Handarbeiten, Gesellschaftsspiele und einen original Keramikbierkrug, den 78 seinem Vereinsgründer Ferdinand-Wilhelm Fricke im Jahr 1898 geschenkt hatte. Zum anderen wurden Spiel- und Zinnfiguren, Puzzle, Briefmarken und Münzen präsentiert. Dieser Anfangsteil wurde von Bastian Schramm, wissenschaftlicher Volontär im Museum, sowie Bert Oltersdorf begleitet.

Begrüßung und Start der Führung im SammleR*s an der 78-Vitrine

Im zweiten Teil führte uns der Weg durch die Antikensammlung des Museums. Dort gab uns Bastian Schramm spannende Einblicke in die spirituelle Bedeutung, Körperkult und Ausübung von Sport im Altertum. Die Sammlung umfasst u. a. altägyptische Jonglier- und Spielbälle sowie Miniaturskulpturen aus verschiedenen Mittelmeerkulturen, die sich u. a. mit Wassersport, den frühen olympischen Spielen oder auch Wagenrennen befassen.

Im dritten Teil des Abends führte uns die Kuratorin Dr. Anne-Viola Siebert durch die aktuelle Sonderausstellung „DRESSED – Rom – Macht- Mode“. Diese Ausstellung stand unter dem Motto „Mitmachen statt nur schauen“, es entwickelte sich ein lebendiger Austausch zwischen der Kuratorin und der Besuchergruppe.

Die erst am 20. August 2026 eröffnete Ausstellung widmet sich der Kleidung im antiken Rom und zeigt, dass Mode schon damals weit mehr als eine praktische Notwendigkeit war. Kleidung vermittelte gesellschaftlichen Stauts, Zugehörigkeit und Macht. Unter dem Motto „Antike Mode zum Anfassen“ erfuhr die Museumsgruppe mehr über die Bedeutung römischer Kleidung und ihre Herstellung. Die Bekleidung im alten Rom wurde ausschließlich an Webstühlen gewebt, bestand in der Regel aus großen rechteckigen Tüchern und diese wurden nach dem Webvorgang aneinandergenäht. Als Material kam Tierwolle, Baumwolle, Seide und Leinen zum Einsatz. Die Naturfarbstoffe wurden vornehmlich aus Pflanzen gewonnen. Es gab aber auch tierische Ausnahmen: Von im Mittelmeer lebenden Purpurschnecken wurde der kostbare Farbstoff Purpur gewonnen. Purpur wurde verwendet, um Bekleidung von höchsten Würdenträgern (Cäsaren, Senatoren und Jupiterpriestern) einzufärben. Zur Herstellung eines Gramms reinen Purpurs waren ungefähr 12.000 Schnecken erforderlich. Das fertige Purpurprodukt hatte seinen Preis, für heutige Verhältnisse würde 1 kg Purpur ca. 3 Millionen Euro kosten.

Im Rahmen der Ausstellung konnten die Besucherinnen und Besucher den typischen Einkleideprozess der römischen Frauen und Männer nachstellen. Dazu stand diverse Oberbekleidung in Form von Tuniken, Togas, Stolas und Palas zur Verfügung. Komplettiert wurde das nachgestellte römische Bekleidungsgeschäft in der Sonderausstellung mit Modeaccessoires wie Unterbekleidung, Tüchern und Kopfbedeckungen.

Tunika (Untergewand) und Stola (Überkleid) sind bereits angezogen und mit Gürteln zusammengebunden. Zum Abschluss folgt die Palla (der Mantel)

Fertig! Mit Tunika, Stola und Palla verließ die römische Frau des hohen gesellschaftlichen Ranges das Haus

Die Tunika war im alten Rom das Alltagsgewand und wurde von Männern und Frauen als Unter- und Haushaltskleid direkt auf der Haut getragen. Alle Menschen, vom Sklaven über Handwerker und Soldaten bis zu Senatoren und Kaisern, trugen dieses Gewand. Darüber trugen ausschließlich freie, männliche römische Bürger eine Toga. Die Toga bestand aus einem einzigen, etwa 6 Meter langen und 2½ Meter breiten halbkreisförmigen Stück Stoff, das ohne Knoten, Bänder, Fibeln oder sonstige Befestigungen um den Körper drapiert wurde. Das Anziehen war ohne personelle Unterstützung nicht möglich. Oftmals trugen die Männer darüber das Pallium, ein als Mantel getragenes Kleidungsstück.

Frauen trugen über der Tunika stattdessen ein langes Überkleid, die Stola. Dieses Kleid wurde auch oft mit einer Palla kombiniert, die man über den Schultern trug und die Funktion eines Mantels hatte. Tuniken, Stolas und Pallas waren viereckig gewebte Gewänder. Tuniken und Stolas wurden in der Hüfte mit einem Gürtel zusammengebunden.

Wohlhabende römische Bürgerinnen und Bürger konnten sich maximal zwei Tuniken, eine Toga bzw. eine Stola sowie ein Mantel (Pallium bzw. Palla) leisten. Mit dieser Textilausstattung galt man im römischen Reich bereits als gut „betucht“.

Höhepunkt der Ausstellung war eine komplett erhaltene Kindertunika aus dem 7. – 9. Jahrhundert nach Christi. Getragen wurde es von einem Kind, dass der Bevölkerungsgruppe der koptischen Christen in Ägypten angehörte.

Nach zwei Stunden endete diese hervorragend organisiert und durchgeführte Sonderführung für Hannover 78. Ein besonderer Dank geht an Helena Oltersdorf, die im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) im Museum August Kestner dafür gesorgt hatte, dass es eine Rugby-Ausstellung und eine exklusive kostenfreie Sonderführung für Hannover 78 gegeben hat.

Ein großer Dank geht auch an das Museum und seine Mitarbeitenden. Gerade mit modernen Ausstellungsformaten können Museen auch in der heutigen Zeit zukunftsfähig bleiben. Ein Besuch, der sich mehr als gelohnt hat.

Text: Bert Oltersdorf