Erstmalig bei einer Hallenweltmeisterschaft nahmen die Damen und Herren der Ü65 in Nottingham teil. Gespielt wurde 4 x 10 Minuten. Das Spielfeld war ein dunkler Parkettboden und ca. zwei Meter schmaler als die Felder in Deutschland. Dieser war gezeichnet von diversen bunten und roten Linien anderer Sportarten, was für uns deutsche Spieler sehr irritierend war. Außerdem gewöhnungsbedürftig: Wir spielten mit roten Kugeln die sehr stumpf waren und uns in unserer schnellen Spielweise behinderten.
Turnierstart gegen Wales 9:1 gewonnen
Die ersten zehn Minuten taten wir uns extrem schwer und kamen nicht in unseren gewohnten Spielfluss. Dazu das systemlose und die ungestümte Spielweise der Waliser. Damit hatten wir irgendwie Probleme.
Wir haben lange gebraucht, bis wir in unser Spiel gefunden haben. Doch ab dem zweiten Viertel sind wir langsam in den Spielfluss gekommen. Schnell sind wir in Führung gegangen und konnten das Spiel für uns klar und deutlich entscheiden. Das eine Gegentor war ein Siebenmeter für Wales.
Im zweiten Spiel gegen Schottland, hatten wir in den ersten zehn Minuten das gleiche Problem. Mit Anpfiff zum 2. Viertel und kräftigen Ansagen des Trainers, hat es schließlich im schottischen Tor kräftig geknallt. Wir haben das Spiel 11:2 gewonnen. Die Schotten waren sehr lauf- und kampfstark. Ihre Deckungsarbeit war sehr körperbetont. Doch unseren schnellen und präzisen Kombinationen hatten sie nichts entgegen zu setzen.
Michael „Fredy“ Fredershausen hat als 78er fast alle wichtigen Titel gewonnen:
» Internationale Turniere in den Niederlanden
» Torschützenkönig und bester Spieler
» 4 Nationen Cup gewonnen und Torschützenkönig
» Europameister Gold 2019
» Hallenweltmeister WM 2026 Nottingham
Grückwunsch Fredy – 78 ist stolz auf Dich.
Am 3. Spieltag warteten die USA auf uns. Ein Gegner, den wir nicht kannten, aber laut Aussage anderer Teams ebenfalls sehr lauf- und kampfstark sein sollte. Unser Trainer gab aggressives Pressing vor. Damit wollten wir die USA frühzeitig zu Fehlern zwingen und schnelle Tore erzielen. Der Plan ging voll auf.
Nach fünf Minuten führten wir bereits 3:0 und spielten uns in einen totalen Spielrausch. Die USA wurde von uns regelrecht schwindelig gespielt. Die Zuschauer waren begeistert von unserer Spielweise und applaudierten nach jedem Tor. Ob sie wohl wunde Hände bekommen haben? Denn das Spiel gewannen wir am Ende mit 20:0. Es funktionierte einfach alles. Ecken, schnelle Kombinationen, harte präzise Pässe und Top-Chancenverwertung.
Im letzten Gruppenspiel wartete mit England ein altbekannter schwerer Gegner auf uns. Wenn wir das Spiel gewinnen, sind wir automatisch im Endspiel. Viele Engländer aus dem Team kannten wir noch von der EM in Ludwigsburg. Wir wussten zwar was da auf uns zukommt, aber nicht, wie sie Hallenhockey spielen.
Sie sind läuferisch schnell, konditionsstark und auch auf der Auswechselbank bestens besetzt. Doch technisch sind sie nicht so ausgebildet wie im deutschen Hallenhockey. Das war unser Vorteil.
Einen Abend vorher gab es eine Videobesprechung mit klaren taktischen Anweisungen und Einzelgesprächen. Jeder hat vom Trainer Jens Lüninghöner seine Aufgabe erhalten. Unser absoluter Siegeswille wurde nochmals verstärkt. Wir wollen Weltmeister werden und als erstes Team der Herren 65 in der Halle
die Goldmedaille holen.
Endlich Anpfiff: Beide Teams agierten vorsichtig und wollten Fehler vermeiden. Erst im 2. Viertel – durch eine schnelle Kombination – konnten wir mit 1:0 verdient in Führung und damit in die Halbzeit gehen.
Anpfiff 3.Viertel: Durch eine Einzelaktion konnte Fredershausen schnell das 2:0 erzielen, doch der Schiedsrichter hat es aberkannt. Warum? Weiß keiner, und es gab auch keine Erklärung. Laute Proteste wurden überhört und es blieb beim 1:0. Doch zwei Minuten später erzielten wir mit einer Eckenvariante das 2:0. Die Engländer stellten nun ihr System um, doch unsere Abwehr blieb stabil. Es gab viele Fehlentscheidungen der Schiedsrichter gegen uns, auch klare Freistöße für uns, wurden gegen uns gepfiffen. Somit bekamen die Engländer Vorteile und erzielten das 1:2. Einer der Schiedsrichter kam aus England – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Nervosität kam auf, das Spiel ging in hohem Tempo hin und her. Doch unsere Abwehr zeigte sich in Topform. Fünf Minuten vor dem Ende erzielten wir das verdiente 3:1 und ließen nichts mehr anbrennen. Die Engländer kamen nicht mehr in unseren Schusskreis. Abpfiff, gewonnen, Riesenjubel und Applaus unserer Fans von der Tribüne. Wir standen im Endspiel. Sogar Schottland hat uns immer wieder angefeuert.
Jetzt hatten wir einen Tag Pause zum Relaxen, während die Engländer sich immer noch durch ein weiteres Spiel mit einem Sieg für das Endspiel qualifizieren konnten. So war es auch, England hat gewonnen und stand im Finale gegen uns.
Das Finale
Die Tribüne war gut besetzt mit reichlich deutschen und schottischen Fans. Das Spiel – ein Spiegelbild der ersten Begegnung – nur dass die Engländer ihre Aufstellung und das System geändert hatten. Wie auch in den anderen Spielen war Fredy unter den ersten Fünf gesetzt und spielte von Anfang an Vollpressing, womit die Engländer nicht gerechnet hatten. Trotzdem war es sehr schwer die Abwehr der Engländer zu durchbrechen. Doch in der 7. Minute gelang uns mit einer Eckenvariante das 1:0.
In der 12. Minute erzielten wir mit einer herrlichen Kombination das 2:0. Lange ging es hin und her, wie in der ersten Begegnung, und wir kassierten – durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters – das 1:2.
Wieder ein englischer Schiri
Sechs Minuten vor dem Ende gelang es Fredershausen mit einem Traumtor das 3:1. Alle jubelten, doch es sollte nicht sein. Wieder wurde das Tor aberkannt.
Es gab wieder große Proteste. Angeblich im Liegen gespielt, doch ich hatte mit einem Hechtsprung, ohne den Boden zu berühren, den Ball im linken oberen Winkel versenkt. Nervosität kam auf bei noch drei Minuten Spielzeit. Unser Siegeswille wurde stärker und alle gaben nochmal Vollgas. Das wurde belohnt. Wir schossen zwei Minuten vor Ende das 3:1. England war wieder bezwungen.
Abpfiff, Riesenjubel und Applaus
Geschafft, wir sind mega stolz und total voller Freude. Wir sind die ersten Ü65-Hallenweltmeister. Nach der Übergabe der Goldmedaille durch den Bürgermeister von Nottingham, standen die Engländer spalier. Es wurde für uns die Nationalhymne gespielt. Ein ganz besonderer Augenblick, den niemand vergessen wird. We are the Champions.
Fazit
Ein mega tolles, perfekt organisiertes WM-Hallenturnier von den Engländern. So ein Turnier macht keiner so schnell nach. Von Insgesamt 14 deutschen Mannschaften, Damen und Herren, gab es 6 x Gold, 7 x Silber und 1 x Bronze. Ein Mega-Erfolg für den deutschen Hockeysport im Seniorenhockey.
Unser Trainer der Ü65 hat uns in vier verschiedenen Trainingscamps, Videobesprechungen und Taktikschulungen das Team professionell mit entsprechenden Fingerspitzengefühl schnell zusammengestellt. Wir waren ein fest eingeschworenes, harmonisches Team mit absolutem Siegeswillen, Weltmeister zu werden.
Hip Hip HURRA…
…und nach WM ist vor der WM, denn im August spielen wir die Feld-WM im holländischen Breda.
Text: Fredy Fredershausen

